Über die Kraft, die im Reden und im Schweigen liegt

„Reden ist silber. Schweigen ist Gold“, so lautet ein Sprichwort. In diesem Beitrag geht es darum, welche Kraft im Schweigen liegt und welches Potenzial im Reden.

Schweigen ist sehr kraftvoll. Schon Paul Watzlawick (Kommunikationswissenschaftler) wusste zu berichten, dass man nicht nicht kommunzieren kann. Wie war das? Ja, genau! Du kommunizierst immer. Auch wenn du nicht redest. Mit deiner Mimik, mit deiner Gestik, mit deiner Körpersprache. Kommunikation ist Ausdruck. Kommunikation findet im Inneren deines Kopfes statt – nämlich im Denken und zeigt sich dann im Außen. Im Klartext, das was du nach außen ausdrückst – und sei es durch Schweigen – ist vorher in dir entstanden. Das Blöde dabei ist: es ist nicht klar und verständlich. Schweigen gibt einen riesigen Raum zur Interpretation frei. „Hm… also, sie ist vermutlich sauer… Oder, nein… vielleicht ist sie auch nur traurig? Ach Quatsch, er ignoriert mich wieder eimal… Das kann ich doch deutlich sehen!“ Wirklich? Was du wirklich sehen kannst ist, dass die andere Person schweigt, also nicht redet. (Weil sie ja vermutlich auch ihre Lippen gar nicht bewegt 😉 ) Mehr weißt du aber nicht. Deswegen finde ich, ist Schweigen für mich per se schon mal nicht unbedingt „Gold“.

Kurz schweigen und dann…?

Natürlich gibt es Situationen, z. B. wenn ein Konflikt zu eskalieren droht. Da kann es für den Moment hilfreich sein, nichts zu sagen. Aber nur für den Moment. Nur, bevor ich Platze oder in ein altes Reaktions-Fahrwasser komme, welches sich noch nie als hilfreich gezeigt hat. Es ist gut, dann das auszudrücken, was du in diesem Moment wahrnimmst. Ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen. „Hey, ich merke gerade, dass ich stinksauer werde, weil es mir wichtig ist, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander sprechen. Könnten wir uns kurz sammeln und dann das Thema erneut aufgreifen?“ Oder so ähnlich. Je nach Kontext. Also, kurz goldenes Schweigen, dann diamantenes Reden.

Reden um jeden Preis?

Ja, und das mit dem Reden ist auch so eine Sache. Klar wissen wir, dass mancherlei Rede und destruktives Gelaber (sorry für die Bewertung) nicht annähernd Bronze wäre, geschweige denn Gold. Klare Kommunikation, die deutlich und authentisch, also irgendwie sehr aufrichtig ist UND das schafft, ohne dabei anderen auf die Füße zu latschen (nicht im Sinne: ich sage eben frei heraus, was ich denke… das ist ja das Problem der anderen). Eine Kommunikation, die gleichzeitig klar und wertschätzend oder respektvoll bleibt, die finde ich persönlich sehr hilfreich. Hilfreicher als alles, was ich sonst noch so in meiner Kommunkations-Laufbahn kennengelernt habe.

Klarheit braucht Mut.

Aber Vorsicht: Aufrichtig zu sein, ist gar nicht so einfach. Das kostet Mut und braucht viel Mitgefühl für sich und andere. Und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Also, ich meine: sich seiner selbst bewusst zu sein. Nicht dieses überzogene Schauspiel-Selbstbewusstsein. Wer innerlich bewusst und klar ist, der ist es auch im Außen. Davon bin ich überzeugt. Wer Bewusstheit bei sich selbst schafft, schafft auch Bewusstheit beim Gegenüber. Und wer klar ausdrückt, weshalb er gerade geschwiegen hat oder so redet, dass es für ihn und andere klar und gesund bleibt, handelt irgenwie gülden. Was meinst du?


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