Unsere Angst zu versagen – wie du aus der Perfektionismus-Falle aussteigst…

Sei perfekt – unser stetiger Begleiter

Auch gestandene Frauen, Business-Frauen, Unternehmerinnen haben mit Versagensängsten zu kämpfen. In vielen Frauen, aber auch Männern lauert die Angst, zu versagen, „ES“ nicht richtig zu machen. „Sei perfekt!“ so lautet der innere Antreiber, den uns das kleine, fiese Männchen rechts oder links auf unserer Schulter ins Ohr flüstert.  Und der gibt manchmal so richtig Gas. Dabei ist „perfekt sein zu wollen“ so wahnsinnig anstrengend. Klar ist dabei auch: es schafft niemand, perfekt zu sein. Und trotzdem und obwohl wir das wissen,  zieht es uns immer wieder dahin, zu dem Gedanken, alles richtig machen zu wollen. Wenn wir allerdings Perfektionismus anstreben, dann ist klar, dass der Gedanke versagt zu haben nicht weit entfernt ist.

Das schaffe ich nie! Unsere Angst zu versagen

Letztens kam eine Klientin zu mir, die sich nach vielen Jahren dazu mutig entschlossen hatte, ihr Leben auf neue Gleise zu stellen und beruflich noch einmal etwas ganz anderes zu beginnen. Alles hatte so gut angefangen. Sie war wild entschlossen mit knapp 40 Jahren nochmal ein Studium zu beginnen. Sie bekam sogar sofort einen Studienplatz und konnte ihr Glück kaum fassen. Nachdem Sie das erste Semester gut und gelassen hinter sich gebracht hatte, packte sie mitten im 2. Semester die Angst. Versagensangst. Angst, die Prüfung nicht zu schaffen. Angst, das Studium wieder abbrechen zu müssen. Angst, dass alle anderen Schritte auch vergebens waren. Sie war am Boden zerstört und in Tränen aufgelöst, als sie zu mir ins Gespräch kam. Was für eine Not und ein inneres Chaos, das sie in diesem Moment durchlebte. Es war ein übler Kreislauf: Die Angst lähmte sie beim Lernen und das erzeugte noch mehr Angst. Also letztendlich Angst vor der Angst. Eine solche Angst schafft Lähmung und absolute Handlungsunfähigkeit. Ich weiß nicht, ob du das schon mal erlebt hast? Ich selbst hatte früher mit enormen Prüfungsängsten zu kämpfen. Meine 1. Ausbildungsprüfung und meine Führerscheinprüfung habe ich aufgrund von Versagensängsten gleich zweimal machen dürfen. Oder besser gesagt müssen. Allerdings war ich über die zweite Chance auch froh und dankbar. Wenn ich jedoch meine Prüfungsängste hätte besser händeln können, hätte mir das eine Menge Zeit erspart. Aber: hätte, hätte, Fahrradkette. Oder wie heißt es doch so schön. Das Leben hat eben keinen Rückwärtsgang. Also bin ich irgendwann das Thema Versagensängste angegangen. Das war nicht nur für mich hilfreich, sondern auch für meine Klientin, die eben im Falle ihrer Studien-Ängste davon profitieren könnte.

Die gute Nachricht

Wer einmal mit Versagensängsten zu kämpfen hatte, muss dieses Joch nicht sein Leben lang auf sich nehmen. Es gibt super Mittel und Wege, die Sache in den Griff zu bekommen.

Übrigens Versagensängste sind auch einer der Gründe, warum Menschen sich so schwer tun, zu anderen NEIN zu sagen. Letztendlich greift auch da der Gedanke, „ich hab’s nicht richtig gemacht…“ wieder ein. Der Antreiber, etwas super gut und unbedingt richtig zu machen und die Erkenntnis, doch leider nicht perfekt sein zu können sind zusammen wie eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Eine Endlosschleife, aus der du, wenn du nicht daran zu Grunde gehen möchtest, unbedingt aussteigen solltest.

Was du konkret tun kannst

Erkenne an, das du dich vom Perfektionismus antreiben lässt

Nur wenn du dir eingestehst, dass Perfektionismus eine Falle ist, in die du (und viele andere mit dir) immer wieder tappst, dann ist das der erste Schritt in eine hilfreiche Wendung. Versuche, deinen Perfektionsgedanken auf die Schliche zu kommen. Mein Tipp: Schreibe sie dir auf, z. B. in ein kleines Notizbüchlein. Wenn du dir deiner Gedanken immer mehr und mehr bewusst wirst, kannst du etwas ändern.

Erkenne, was hinter deinen Gedanken steckt

Hinter unseren Gedanken, stecken wichtige Informationen. Hinter dem Gedanken „ich muss perfekt sein“, stecken wichtige menschliche Bedürfnisse und Werte. Zum Beispiel nach Anerkennung oder Zugehörigkeit. Achte darauf, was du brauchst und was du dir eigentlich wünschst. Unsere Wurzel dazu liegen auch oft viele Jahre zurück.

Lerne, dich selbst zu akzeptieren

Auch wenn andere Menschen dich in deiner “Nicht-Perfektion“ nicht so annehmen und akzeptieren können, wie du es dir wünscht, dann sorge selbst dafür! Selbstakzeptanz und Selbstannahme sowie Selbstliebe sind ein wichtiger Schlüssel, um perfektionistische Gedanken loszulassen.

 80 % sind die neuen 100 %

Mache dir vor allem eins klar: 80 % vom Ergebnis sind meist immer noch sehr viel und reichen oft aus. Denn bedenke, dass du kein Computer oder ein anderes technisches Gerät bist, das bei 80 % nicht mehr läuft. Als Menschen geben wir häufig viel mehr als nötig und auch mehr, als andere von uns erhofft haben. Es ist unser Anspruch, der uns 100 % geben lassen möchte. Wenn du lernst, von deinen eigenen Anspruch herunter zu kommen, schenkt dir das sicherlich Zeit und Lebensfreude. 

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